Parodontitisbehandlung Praxis Andreas Hager, Burbach

Unser oberstes Ziel ist, Entzündungen zu beseitigen

Auch in diesem Artikel geht es um Parodontitis, die zu einer Volkskrankheit geworden ist.

Nachdem im ersten Teil die Ursachen für Parodontitis und im zweiten Teil über die Ursachen von Knochenabbau geschrieben wurde, widmet sich nun der dritte Teil unserer kleinen Serie der Behandlung von Entzündungen, die eine Parodontitis ausmachen.

1) Ursachen der Parodontitis, Teil 1: Entzündung durch Infektion

2) Ursachen der Parodontitis, Teil 2: Knochenabbau ohne Entzündung

3) Behandlung der Parodontitis, Teil 1: Entzündung beseitigen

4) Behandlung der Parodontitis, Teil 2: Knochenabbau stoppen

5) Erhaltungstherapie: Vermeidung einer erneuten Parodontitis und weiteren Knochenabbaus

Entzündung und körpereigenes Immunsystem

Bei der entzündlichen Parodontitis ist das körpereigene Abwehrsystem überfordert. Es versucht, die ins Zahnfleisch eingedrungenen Keime zu vernichten und dabei wird auch der Knochen um den Zahn herum zerstört. Quasi als Kollateralschaden.

Letztlich führt der fortschreitende Knochenabbau zum Zahnverlust und damit auch zur Eliminierung der auf dem Zahn anhaftenden bakteriellen Plaque. Somit kommt es zur Ausheilung der Entzündung – leider eben unter gleichzeitigem Verlust der betroffenen Zähne.

Ganz wichtig: Es sind nicht die Bakterien, die bei der Parodontitis den Knochen abbauen! Vielmehr ist es die Reaktion unseres körpereigenen Immunsystems auf die Anwesenheit dieser Bakterien, welche den Knochenabbau erzeugt.

Dabei gibt es durchaus Unterschiede in der Heftigkeit der Abwehrreaktionen.

Während bei dem einem Menschen starke Reaktionen mit ausgeprägter Entzündung und schnell fortschreitendem Knochenabbau vorhanden sind, kann es bei einem anderen Menschen mit gleicher bakterieller Belastung zu deutlich geringeren Auswirkungen kommen – einfach weil sein Immunsystem die Bakterien besser toleriert und kaum auf sie reagiert.

Wie bekommen wir die Entzündung weg?

Im vorherigen Artikel haben wir erklärt, dass es für den Knochenabbau bei der Parodontitis oft viele Ursachen gibt, die gleichzeitig zusammenwirken. Die bakterielle Entzündung ist nur eine davon – jedoch eine bedeutende Ursache, die es zu beseitigen gilt.

Da auf eine menschliche Zelle in unserem Körper etwa 100 Einzeller (Bakterien) kommen und jeder von uns Menschen ca. 1 Billiarde Bakterien auf und in sich beherbergt, ist es völlig unmöglich, im Mund auf Dauer eine „Keimfreiheit“ zu erzielen. Gelingt es uns aber, die mikrobielle  Zusammensetzung im Mund so zu verändern, dass hierfür keine Immunabwehrkräfte mehr tätig werden müssen, dann klingt die Entzündung ab.

Ziel unserer Behandlungsbemühungen ist daher das sogenannte Biofilm-Management.

Unter Biofilm verstehen wir die fest an den Zähnen anhaftenden bakteriellen Beläge. Sollen diese unschädlich gemacht werden, müssen sie mechanisch zerstört und ablöst werden. Erst dann verlieren sie ihre schädliche Wirkung. Frei im Speichel „schwimmende“ Bakterien sind unkritisch und erzeugen keine Immunreaktionen.

Die Vorbehandlungsphase

Im ersten Schritt der Behandlung führen wir eine professionelle Zahnreinigung durch, dokumentieren die zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Blutungsstellen am Zahnfleisch. Wir zeigen Ihnen genau, welche Hilfsmittel Sie zukünftig verwenden sollten, um die täglich neu aufgebauten Biofilme (Plaque) wirklich effektiv zu Hause entfernen bzw. zerstören zu können, ohne dabei Schäden an Zähnen oder Zahnfleisch zu erzeugen.

Dieser Behandlungskomplex heißt „SOLO-Prophylaxe“. Bei dieser Zahnreinigung werden auch die erreichbaren harten Beläge von den Zahn- und Wurzeloberflächen und auch aus den Zahnzwischenräumen entfernt. Erst danach ist es überhaupt möglich, die für Sie individuell passenden Hilfsmittel in der richtigen Größe aussuchen und anwenden zu können.

Nach dieser ersten Therapie-Sitzung wenden Sie die neuen Reinigungstechniken zu Hause circa drei bis vier Wochen lang an und werden dabei immer sicherer.

Danach erfolgt die zweite Sitzung. Inzwischen sind die Entzündungen im sichtbaren Bereich erfahrungsgemäß schon weit zurückgegangen, das Zahnfleisch ist abgeschwollen und blutet kaum noch oder gar nicht mehr beim Putzen der Zähne und Zahnzwischenräume.

Wir führen erneut eine intensive Reinigung der erreichbaren Zahnflächen durch, dokumentieren wieder die Blutungsstellen und passen bei Bedarf die Hilfsmittel an die nun veränderte Situation an. Bei für Sie schwierig zu erreichenden Stellen geben wir weitere Hilfestellung mit Tipps und Tricks zur Optimierung Ihrer Reinigungstechnik.

Im Anschluss werden die Tiefen der Zahnfleischtaschen ausgemessen. Bei gesetzlich versicherten Patienten erfolgt an dieser Stelle die Beantragung der nächsten Behandlungsschritte bei der Krankenversicherung, bei privat versicherten Patienten entfällt dieser bürokratische Akt.

Die Wurzelreinigung in der Tiefe

Nach gegebenenfalls erfolgter Genehmigung durch die Krankenversicherung erfolgt nun die sogenannte „subgingivale Kürettage“.

Während Ihre Zähne im sichtbaren und mechanisch erreichbaren Teil inzwischen wunderbar sauber sind und das Zahnfleisch in diesem Bereich ebenfalls entzündungsfrei ist, sind in den tieferen Zahnfleischtaschen und auf den dortigen Wurzeloberflächen noch weiche und harte bakterielle Auflagerungen und Entzündungen vorhanden.

Diese Beläge entfernen wir bei der „Kürettage“ nun mit Hilfe einer schwingenden Metallspitze unter gleichzeitiger Spülung und Kühlung mit Wasser. Eine örtliche Betäubung sorgt dabei für Schmerzfreiheit.

In sehr tiefen Taschen setzen wir zusätzlich  den „Dürr Vector Paro“ ein. Dieses Gerät entfernt die Beläge (Plaque und Konkremente) besonders zahnschonend und sorgt trotz der Tiefe für eine sehr gute Spülung des Arbeitsfeldes mit einer antibakteriellen Spüllösung.

Wie geht es weiter?

In etwa zweiwöchigem Abstand führen wir danach in der Regel zwei Kontrollsitzungen mit antibakterieller Taschenspülung durch.

Im Anschluss beginnt die sogenannte „unterstützende Parodontaltherapie“ (UPT) oder auch „parodontale Erhaltungstherapie“ (PET).

Die UPT dient der Erhaltung des erzielten Behandlungsergebnisses und muss lebenslang fortgeführt werden, um erfolgreich sein zu können. Warum lebenslang und warum so sorgfältig , werden Sie in unserem fünften Artikel erfahren.

Wie kann ich mein Immunsystem unterstützen?

Im ersten Artikel dieser Serie haben Sie erfahren, dass die Zusammensetzung unseres Mikrobioms, also der Bakterien auf unseren Körperoberflächen, einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit haben kann.

Wenn das Immunsystem an dieser Stelle ständig gefordert wird, dann fehlen eventuell Abwehr-Ressourcen zur Bekämpfung der entzündlichen Parodontitis und anderer Erkrankungen.

Daher kann es hilfreich sein, das Immunsystem durch die Anwendung effektiver Mikroorganismen zu unterstützen. Hierfür stehen Nahrungsergänzungsmittel, Waschlotionen und auch Zahnpasten zur Verfügung, die wir Ihnen gern vermitteln können.

Allein das Thema „Mikrobiom“ ist so umfangreich, dass man damit viele Seiten füllen kann. Das wollen wir an dieser Stelle nicht tun. Zwei Informationsquellen als Einstieg sollen aber genannt werden: Im „Focus Online“ (www.focus.de) finden Sie bei Eingabe des Stichwortes „Mikrobiom“ mehrere gut verständliche Artikel  und die Firma EMIKO (www.emiko.de) beschäftigt sich mit dem Thema „effektive Mikroorganismen“ und der Herstellung von entsprechenden Produkten für verschiedene Lebensbereiche.

Sie sollten nun einen Überblick über den komplexen Ablauf der Behandlung einer entzündlich bedingten Parodontitis haben.

Da für den Knochenabbau jedoch weitere Faktoren eine große Rolle spielen können (siehe Artikel Nummer zwei dieser Serie), erfahren Sie im kommenden Artikel, wie wir bei entsprechender Notwendigkeit vorgehen können.