Nehmen Sie Parodontitis nicht auf die leichte Schulter

Informieren Sie sich über die häufigsten Irrtümer, über das Risikoausmaß und die Behandlungsmöglichkeit von Parodontitis.

Was ist eine Parodontitis?

Wenn sich eine länger bestehende Zahnfleischentzündung  in die Tiefe ausbreitet und die benachbarten Gewebe befällt, bezeichnet man das als Parodontitis.

Parodontitis ist eine Krankheit mit zum Teil dramatischen Auswirkungen, obwohl sie kaum schmerzhaft abläuft. Erst im Spätstadium, wenn die Zahnhälse durch den mittlerweile eingetretenen Verlust an Knochen und Weichgebewebe frei liegen, spüren die Patienten, dass Parodontitis schmerzt.

Mittlerweile gehen Untersuchungen davon aus, dass ca. 50% aller Deutschen unter einer mehr oder weniger akuten Parodontitis, oder Parodontose, wie der Volksmund gerne sagt, leiden.

Als besondere Risikofaktoren gelten Rauchen, mangelnde Zahnzwischenraumreinigung und das lediglich Beschwerden-orientierte Aufsuchen des Zahnarztes. Bei Diabetikern mit schlecht eingestellten Blutzucker-Werten verläuft die Erkrankung oft deutlich dramatischer und mit schnellerem Gewebeverlust.

Wie entsteht sie und kann ich vorbeugend dazu etwas tun?

Die Ursache der Parodontitis ist ein bakterieller Befall der zahnumgebenden Gewebe. Das eigene Abwehrsystem versucht dann, die Keime zu beseitigen und  räumt dabei nebenbei auch das eigene Gewebe aus dem Weg.

Nun befinden sich in der Mundhöhle immer Bakterien, die durch unser Immunsystem in Schach gehalten werden. Erst wenn sich die Bakterien in großen Mengen über einen längeren Zeitraum ansammeln, verändert sich die Balance. Krankmachende Keime vermehren sich dann übermäßig stark.

Dieser Vorgang findet hauptsächlich in den Zahnzwischenräumen statt. Dort, wo sie mit ihrer Zahnbürste niemals hinkommen, weil die Borsten dafür nicht konstruiert wurden. Mit Zahnseide kommen Sie zwar in die Zahnzwischenräume hinein, allerdings läuft die Seide aufgrund ihres geringen Umfangs ungehindert durch den Zahnzwischenraum, der zudem noch bauchig ist, hindurch und entfernt so zu wenige Bakterien.

Erst ein genau angepasstes Interdentalbürstchen kann aufgrund seiner Form die Wände der nebeneinanderliegenden Zähne und die Mulde des Zahnzwischenraumes erreichen und säubern. Professionelle intensive Reinigungen in der Praxis entfernen dann ergänzend die Beläge an den ganz schwierig zugänglichen Stellen und sorgen für eine Glättung der Zahnoberflächen.

Warum senkt regelmäßige Prophylaxe das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken?

Eine regelmäßige SOLO-Prophylaxe in unserer Praxis, durchgeführt von speziell ausgebildeten SOLO-Prophylaxe-Trainerinnen, senkt deutlich das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken.

Wir entfernen dabei schmerzfrei mit professionellen Geräten alle Verfärbungen und Beläge von den Zähnen, auch etwas unterhalb des Zahnfleischrandes. Die für Sie passenden Hilfsmittel zur häuslichen Zahnpflege werden individuell ausgesucht und ausgemessen und Sie erhalten eine genaue Anleitung zu deren Verwendung. So haben Sie alles nötige zur Hand, um Karies und Parodontitis auch zu Hause mit hoher Effektivität täglich vorzubeugen.

Wussten Sie, dass Zahnstein im Prinzip aus „hart gewordenen Bakterien“ besteht? Die häusliche effektive Belagsentfernung führt deshalb auch dazu, dass Sie plötzlich kaum noch Zahnstein haben. Und weil kaum noch krankmachende Bakterien auf Ihren Zähnen haften, besteht für Ihr Immunsystem auch kein Anlass mehr, eine gewebezerstörende Entzündungsreaktion in Gang zu setzen.

Was passiert, wenn ich nichts gegen eine Parodontitis unternehme?

Ca.50% aller Deutschen haben eine Parodontitis in unterschiedlichen Schweregraden. Und da sie nur selten schmerzhaft ist, messen die meisten der Erkrankung kaum Bedeutung zu – was inzwischen als äußerst riskantes Verhalten erkannt wurde.

Im Mund führt eine fortgeschrittene Parodontitis zu massivem Abbau von Gewebe. Der zahntragende Knochen, die Wurzelhaut und das Wurzelzement werden zerstört und die Zähne stehen nicht mehr fest im Kiefer oder gehen sogar verloren. Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen und blutet bei der kleinsten Berührung. Starker Mundgeruch tritt ebenfalls häufig auf.

Doch die Bakterien  machen nicht im Mund halt, sondern wandern durch die Blutgefäße in den übrigen Organismus und können dort großen Schaden anrichten. So wird mittlerweile ein direkter Zusammenhang zwischen Diabetes sowie Bluthochdruck und Parodontitis bescheinigt.

Auch die Gefahr von Fehlgeburten, der Entstehung einer Endokarditis und chronischer Atemwegserkrankungen werden durch eine unbehandelte Parodontitis größer.

Wie muss ich mir die Parodontitisbehandlung vorstellen?

Die systematische Parodontitisbehandlung hat drei direkte Ziele:

  1. Beseitigung bakterieller Beläge von den sichtbaren bzw. oberhalb des Zahnfleisches gelegenen Zahnflächen
  2. Dauerhafte Optimierung der häuslichen Mundhygiene-Maßnahmen des Patienten
  3. Beseitigung bakteriell besiedelter Beläge von den unterhalb des Zahnfleischrandes gelegenen Wurzeloberflächen, also aus den Zahnfleischtaschen

Indirekt soll damit erreicht werden, dass sich das Zahnfleisch wieder fester und entzündungsfrei um die Zähne herum anlegt und kein weiterer krankhafter Gewebeabbau eintritt. Der durch die Erkrankung bereits verloren gegangene Knochen wächst nicht mehr nach.

Der Behandlungsablauf unterteilt sich in drei Phasen:

  1. professionelle Reinigung und Mundhygieneoptimierung = SOLO-Prophylaxe
  2. Reinigung und Glättung der Wurzeloberflächen (unter örtlicher Betäubung = schmerzlos)
  3. Unterstützende Parodontitis Therapie = lebenslange Erhaltungsphase, Fortführung der SOLO-Prophylaxe zur Stabilisierung des erreichten Gesundheitsergebnisses

Manchmal glauben Patienten, dass die Phase 3 nicht so wichtig sei und kehren zu ihren alten Gewohnheiten zurück. Leider kommt es dann mit der wiederkehrenden bakteriellen Besiedelung auch regelmäßig zum weiteren Fortschreiten der Parodontitis und des Gewebeabbaus.

Zahlt die Krankenkasse eine Parodontitisbehandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen leider nur die Kosten der Phase 2 der Gesamtbehandlung (siehe vorherige Frage).

Alle Maßnahmen der SOLO-Prophylaxe im Vorfeld der Parodontitisbehandlung und während der Erhaltungstherapie werden daher nach der privaten Gebührenordnung abgerechnet. In dem bei uns stattfindenden Beratungsgespräch erklären wir Ihnen gerne den genauen Ablauf und die Kosten dieser Behandlung.

Manche gesetzlichen Krankenkassen erstatten inzwischen auch einen gewissen Anteil der Prophylaxemaßnahmen, wenn diese im direkten Zusammenhang mit einer Parodontitisbehandlung erbracht werden. Wir empfehlen Ihnen daher, die Rechnungen dort vorzulegen.

Privat Versicherte bekommen die Kosten der gesamten Behandlung  gemäß ihrer jeweiligen Tarifbestimmungen erstattet.