Nehmen Sie Parodontitis nicht auf die leichte Schulter

Informieren Sie sich über die häufigsten Irrtümer, über das Risikoausmaß und die Behandlungsmöglichkeit von Parodontitis auch durch unsere fünfteilige Serie: Parodontitis, eine verharmloste Volkskranheit.

Was ist eine Parodontitis?

Die Zähne werden vom Zahnhalteapparat und dem umgebenden Knochen gehalten. Sind diese Gewebe entzündet oder kommt es zum zunehmenden Verlust dieser Gewebe, dann bezeichnen wir das als Parodontitis.

Parodontitis ist eine Krankheit, die zum Zahnverlust führen kann, obwohl sie kaum schmerzhaft abläuft. Erst im Spätstadium, wenn die Zahnhälse durch den mittlerweile eingetretenen Verlust an Knochen und Weichgebewebe frei liegen oder akute Schwellungen auftreten, spüren die Patienten, dass Parodontitis schmerzt.

Mittlerweile gehen Untersuchungen davon aus, dass ca. 50% aller Deutschen unter einer mehr oder weniger akuten Parodontitis, oder Parodontose, wie der Volksmund gerne sagt, leiden.

Als besondere Risikofaktoren gelten Rauchen, Osteoporose, Diabetes Mellitus, mangelnde Zahnzwischenraumreinigung und das lediglich Beschwerden-orientierte Aufsuchen des Zahnarztes.

Bei Diabetikern mit schlecht eingestellten Blutzucker-Werten verläuft die Erkrankung oft deutlich dramatischer und mit schnellerem Gewebeverlust.

Wie entsteht sie und kann ich vorbeugend dazu etwas tun?

Es gibt, grob zusammengefasst, zwei Hauptursachen für den Knochenabbau an den Zähnen:

1. Ursache: Wenn sich dauerhaft bakterielle Beläge am Zahnfleischrand befinden, versucht das menschliche Abwehrsystem, die Keime zu beseitigen. Es entsteht eine Entzündung, in deren Folge auch der eigene Knochen abgebaut wird.

Dieser Vorgang findet hauptsächlich in den Zahnzwischenräumen statt. Dort, wo sie mit ihrer Zahnbürste niemals hinkommen.

Mit Zahnseide kommen Sie zwar in die Zahnzwischenräume hinein, allerdings läuft die Seide aufgrund ihres geringen Umfangs ungehindert durch den Zahnzwischenraum, der zudem noch bauchig ist, hindurch und entfernt so zu wenige Beläge.

Erst ein genau angepasstes Interdentalbürstchen kann aufgrund seiner Form die Wände der nebeneinanderliegenden Zähne und die Mulde des Zahnzwischenraumes erreichen und säubern.

Professionelle intensive Reinigungen in der Zahnarztpraxis entfernen dann ergänzend die Beläge an den ganz schwierig zugänglichen Stellen und sorgen für eine Glättung der Zahnoberflächen. So kommt es erst gar nicht zu den gefährlichen Entzündungen.

2. Ursache: Knochen wird ständig erneuert. Befinden sich die abbauenden und aufbauenden Zellen im Gleichgewicht, ist alles gut. Kommt es jedoch zu einem Übergewicht der abbauenden Zellen, dann haben wir ein Problem. Wie ernstzunehmend dieses Problem ist, erfahren Sie hier.

Die Aktivität Ihres Knochenabbaus können wir im Speichel mit einem leicht durchzuführenden Test in der Praxis bestimmen und so eine Aussage darüber machen, ob Sie ein besonders hohes Risiko für zukünftigen Knochenabbau haben.
Unabhängig von der genauen Ursache ist es dann möglich, mittels regelmäßiger lokaler Applikation von aktiviertem Doxycyclin den Knochenabbau um die Zähne herum zu stoppen.

Warum senkt regelmäßige Prophylaxe das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken?

Eine regelmäßige SOLO-Prophylaxe in unserer Praxis, durchgeführt von speziell ausgebildeten SOLO-Prophylaxe-Trainerinnen, senkt deutlich das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken.

Wir entfernen dabei schmerzfrei mit professionellen Geräten alle Verfärbungen und Beläge von den Zähnen, auch etwas unterhalb des Zahnfleischrandes. Die für Sie passenden Hilfsmittel zur häuslichen Zahnpflege werden individuell ausgesucht und ausgemessen und Sie erhalten eine genaue Anleitung zu deren Verwendung. So haben Sie alles nötige zur Hand, um Karies und Parodontitis auch zu Hause mit hoher Effektivität täglich vorzubeugen.

Wussten Sie, dass Zahnstein im Prinzip aus „hart gewordenen Bakterien“ besteht? Die häusliche effektive Belagsentfernung führt deshalb auch dazu, dass Sie plötzlich kaum noch Zahnstein haben. Und weil kaum noch krankmachende Bakterien auf Ihren Zähnen haften, besteht für Ihr Immunsystem auch kein Anlass mehr, eine gewebezerstörende Entzündungsreaktion in Gang zu setzen.

Was passiert, wenn ich nichts gegen eine Parodontitis unternehme?

Ca.50% aller Deutschen haben eine Parodontitis in unterschiedlichen Schweregraden. Und da sie nur selten schmerzhaft ist, messen die meisten der Erkrankung kaum Bedeutung zu – was inzwischen als äußerst riskantes Verhalten erkannt wurde.

Im Mund führt eine fortgeschrittene Parodontitis zu massivem Abbau von Gewebe. Der zahntragende Knochen, die Wurzelhaut und das Wurzelzement werden zerstört und die Zähne stehen nicht mehr fest im Kiefer oder gehen sogar verloren. Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen und blutet bei der kleinsten Berührung. Starker Mundgeruch tritt ebenfalls häufig auf.

Doch die Bakterien  machen nicht im Mund halt, sondern wandern durch die Blutgefäße in den übrigen Organismus und können dort großen Schaden anrichten. So wird mittlerweile ein direkter Zusammenhang zwischen Diabetes sowie Bluthochdruck und Parodontitis bescheinigt.

Auch die Gefahr von Fehlgeburten, der Entstehung einer Endokarditis und chronischer Atemwegserkrankungen werden durch eine unbehandelte Parodontitis größer.

Wie muss ich mir die Parodontitisbehandlung vorstellen?

Die systematische Parodontitisbehandlung hat zwei direkte Ziele:

  • Erreichen und Erhalten eines entzündungsfreien Zustandes von Zahnfleisch und Kieferknochen
  • Erzielen einer ausgeglichenen Knochenerneuerung und somit ein Stillstand des Knochenabbaus um die Zähne herum

Der Behandlungsablauf unterteilt sich in drei Phasen:

  1. professionelle Reinigung und Mundhygieneoptimierung = SOLO-Prophylaxe
  2. Reinigung und Glättung der Wurzeloberflächen (unter örtlicher Betäubung = schmerzlos)
  3. Unterstützende Parodontitis Therapie = lebenslange Erhaltungsphase, Fortführung der SOLO-Prophylaxe zur Stabilisierung des erreichten Gesundheitsergebnisses

Der eben genannte Ablauf bezieht sich ausschließlich auf die Behandlung der Entzündungen und deren Auswirkungen.

Wenn Sie zu keiner der Risikogruppen für erhöhten Knochenabbau gehören (Raucher, Osteoporose, Diabetes Mellitus, altersuntypischer Knochenabbau, Zahnfleischtaschen über 5mm Tiefe, Knochenabbau von mehr als 1/3 der Zahnwurzeln, bereits erfolgter Zahnverlust wegen Knochenabbau), dann kann diese Behandlung völlig ausreichen.

Ansonsten wird der Knochenabbau nur durch regelmäßige lokale Applikationen von aktiviertem Doxycyclin aufzuhalten sein. Diese Behandlung verläuft dann parallel zu den oben genannten Schritten.

Was passiert nach der Parodontitisbehandlung?

Eine Parodontitis ist immer die Auswirkung einer Fehlentwicklung bzw. Überreaktion des Immunsystems. Diese Schwachstelle hat der Patient lebenslang, auch wenn die akuten Auswirkungen durch die systematische Parodontalbehandlung zunächst abgeklungen sind.

Manchmal glauben Patienten, dass die Erhaltungsphase nicht so wichtig sei und kehren nach abgeschlossener Parodontalbehandlung zu ihren alten Gewohnheiten zurück. Leider kommt es dann mit der wiederkehrenden bakteriellen Besiedelung auch regelmäßig zum weiteren Fortschreiten der entzündlichen Parodontitis und des Gewebeabbaus.

Bei erhöhtem Risiko für Knochenabbau muss auch weiterhin auf die knochenabbauenden Zellen eingewirkt werden. Ansonsten stellt sich das alte Ungleichgewicht schnell wieder ein und der Knochenabbau schreitet weiter voran.

Man muss also nun immer „dran bleiben“!
Lesen Sie dazu auch unsere ausführliche Erklärung im Blog.

Zahlt die Krankenkasse eine Parodontitisbehandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen leider nur die Kosten der Phase 2 der Gesamtbehandlung (siehe vorherige Frage).

Alle Maßnahmen der SOLO-Prophylaxe im Vorfeld der Parodontitisbehandlung und während der Erhaltungstherapie werden daher nach der privaten Gebührenordnung abgerechnet. Genauso verhält es sich mit der ergänzenden Doxycyclin-Therapie.

In dem bei uns stattfindenden Beratungsgespräch erklären wir Ihnen gerne den genauen Ablauf und die Kosten dieser Behandlung.

Manche gesetzlichen Krankenkassen erstatten inzwischen auch einen gewissen Anteil der Prophylaxemaßnahmen, wenn diese im direkten Zusammenhang mit einer Parodontitisbehandlung erbracht werden. Wir empfehlen Ihnen daher, die Rechnungen dort vorzulegen.

Privat Versicherte bekommen die Kosten der gesamten Behandlung  gemäß ihrer jeweiligen Tarifbestimmungen erstattet. Es handelt sich durchweg um medizinisch notwendige Leistungen.