Karies erkennen: Warnzeichen, Frühstadium und was Sie tun können

Nahaufnahme von zwei Backenzähnen mit dunklen Linien und braunen Verfärbungen in den Kaufurchen.

Karies entsteht, wenn Bakterien im Zahnbelag Zucker in Säure umwandeln und diese Säure den Zahnschmelz oder die Wurzeloberfläche angreift.

Im Frühstadium zeigt sich Karies als weißer oder bräunlicher Fleck ohne Schmerzen. In diesem Stadium lässt sie sich durch eine effektive Prophylaxe oft stoppen, ohne dass der Zahn invasiv behandelt werden muss. Schmerzen und Löcher treten erst später auf.

Wer Karies früh erkannt haben will, braucht regelmäßige Kontrollen – auch mittels Röntgenbildern.

Kurz gesagt:

Karies tut lange nicht weh. Deshalb bemerken Sie sie meist erst, wenn der Schaden schon groß ist.

Warum Sie Karies selten selbst bemerken

Viele Patientinnen und Patienten sagen zu mir: „Ich habe keine Schmerzen, also ist alles in Ordnung.” Bei Karies stimmt dieser Schluss leider nicht. Der Zahnschmelz hat keine Nerven. Er meldet es nicht, wenn er Mineralien verliert. Erst wenn die Karies bis ins Zahnbein vordringt, reagiert der Zahn – und auch dann oft erst, wenn die Karies schon weit im Zahnbein Richtung Zahnnerv voran gekommen ist.

Das bedeutet: Wenn Sie Karies spüren, ist sie meist schon fortgeschritten. Wer Karies erkennen möchte, bevor sie wehtut, sollte deshalb genau hinsehen und seinen Zahnarzt regelmäßig aufsuchen.

Wie Karies entsteht

Auf jedem Zahn bildet sich täglich ein Belag, der sogenannte Biofilm. Er besteht aus Speichel, Speiseresten und Bakterien. Einige dieser Bakterien verstoffwechseln Zucker und bilden dabei Säure.

Diese Säure löst Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus. Fachleute nennen das Demineralisation. Gleichzeitig kann der Speichel Mineralien wieder einlagern. Das heißt Remineralisation. Solange beides im Gleichgewicht bleibt, bleibt der Zahn gesund.

Karies entsteht, wenn die Säureangriffe überwiegen. Das geschieht vor allem aus drei Gründen:

  • Sie essen oder trinken häufig Zucker, auch in kleinen Mengen über den Tag verteilt.
  • Der Belag bleibt zu lange auf den Zähnen, weil er nicht gründlich entfernt wird.
  • Die Zähne erhalten zu wenig Fluorid, das den Schmelz widerstandsfähiger macht.

Entscheidend ist dabei weniger die Menge, als viel mehr die Häufigkeit der Zuckerzufuhr. Jede Zwischenmahlzeit und jedes gesüßte Getränk startet einen neuen Säureangriff. Der Zahn braucht danach Zeit, um sich zu erholen.

Die Stadien: Von der Entkalkung zum Loch

Karies verläuft in Stufen. Je früher wir sie finden, desto schonender können wir behandeln.

Stadium 1: Entkalkung im Schmelz

Es zeigt sich ein weißer, matter Fleck, oft nahe am Zahnfleischrand oder an der Kaufläche. Man spricht auch von White Spots. Die Oberfläche ist noch intakt. Der Zahn schmerzt nicht. Mehr dazu in diesem Artikel. (Verlinkung zur Seite:  welche Seite? SOLO-Prophylaxe!?)

Stadium 2: Schmelzkaries mit Einbruch

Der Fleck wird bräunlich oder die Oberfläche rau. Die Schmelzstruktur beginnt aufzubrechen.

Stadium 3: Karies im Zahnbein

Das Zahnbein ist weicher als der Schmelz. Die Karies breitet sich hier schneller aus. Jetzt treten häufig Empfindlichkeiten auf, zum Beispiel bei Süßem, Kaltem oder Heißem.

Stadium 4: Karies am Zahnnerv

Bakterien erreichen das Innere des Zahnes. Es kommt zu starken, oft pochenden Schmerzen. Jetzt ist in der Regel eine Wurzelkanalbehandlung nötig.

Karies erkennen: Diese Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen

Sie können auf einige Anzeichen selbst achten. Suchen Sie bei diesen Beobachtungen zeitnah Ihre Zahnarztpraxis auf:

  • weiße, kreidige Flecken auf dem Zahn
  • braune oder schwarze Verfärbungen, vor allem in den Furchen der Backenzähne
  • Zähne, die auf Süßes, Kaltes oder Heißes empfindlich reagieren
  • raue Stellen, die Sie mit der Zunge spüren
  • Speisereste, die sich immer an derselben Stelle festsetzen
  • ein Loch im Zahn
  • anhaltender schlechter Geschmack oder Mundgeruch

Beachten Sie bitte: Karies in den Zahnzwischenräumen sehen Sie selbst nicht. Dabei sind das die Stellen, wo sie am häufigsten beginnt. Auch der Zahnarzt kann diese Stellen meist nur durch Röntgenbilder effektiv kontrollieren.

Auch unter Füllungen und am Zahnhals kann Karies entstehen

Eine Füllung schützt nicht dauerhaft vor Karies. Am Rand einer Füllung kann sich ein kleiner Spalt bilden. Dort sammeln sich Bakterien, und es entsteht Sekundärkaries. Auch Kronen und Brücken sind betroffen.

Sollten Sie also alte Füllungen und Kronen haben, macht es Sinn, dort genauer hinsehen zu lassen.

Eine weitere Form ist die Wurzelkaries. Sie tritt auf, wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht und die Zahnwurzel freiliegt. Wurzeloberflächen sind weicher als Schmelz. Deshalb kann Karies sich dort schneller ausbreiten und erreicht dann auch recht schnell den Zahnnerv.

Eine ausgedehnte Wurzelkaries ist oft gar nicht mehr therapierbar, sodass der Zahn dann entfernt werden muss.

Besonders betroffen sind Menschen mit Zahnfleischerkrankungen und ältere Patienten. Auch Mundtrockenheit, zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, erhöht das Risiko, weil Speichel den Zahn schützt.

Was hilft im Frühstadium und beugt Karies vor?

Im Stadium der Entkalkung kann der Zahn sich erholen, wenn die Oberfläche noch geschlossen ist. Wir empfehlen dann:

  • Fluoridierung: Wir tragen in der Praxis hochkonzentrierte Fluoridpräparate auf. Sie unterstützen die Remineralisation und machen den Zahnschmelz widerstandfähiger gegen Säureangriffe der Bakterien.
  • fluoridhaltige Zahnpasta zweimal täglich
  • gründliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten
  • weniger Zuckerkontakte über den Tag
  • professionelle Zahnreinigung, am besten mit dem SOLO-Prophylaxe-Konzept

Bei etwas größeren Schmelzschäden bietet die Zahnmedizin die Infiltrationstherapie an. Dabei dringt ein dünnflüssiger Kunststoff in die poröse Stelle ein und stabilisiert sie. Der Zahn bleibt dabei weitgehend unberührt. Ob diese Methode für Sie geeignet ist, klären wir in der Beratung. (Link zur Seite ICON)

Wann ist eine Füllung nötig?

Ist der Schmelz bereits eingebrochen, kann sich die Stelle nicht mehr von selbst schließen. Dann entfernen wir die erkrankte Zahnsubstanz und ersetzen sie. Wir arbeiten dabei zahnerhaltend: Je kleiner der Defekt, desto weniger muss entfernt werden.

Je nach Größe des Defekts kommen zahnfarbene Kunststofffüllungen oder keramische Versorgungen in Frage. Bei größeren Defekten kann ein Inlay oder eine Teilkrone aus Keramik sinnvoll sein. Diese stellen wir mit dem CEREC-Verfahren direkt in der Praxis her.

Reicht die Karies bis zum Zahnnerv, ist eine Wurzelkanalbehandlung oft das Mittel der Wahl, um den Zahn dennoch zu erhalten.

Fazit: Früh erkannt, lässt sich der Zahn oft erhalten

Karies ist kein unabwendbares Schicksal. Sie verläuft langsam und gibt Ihnen und uns viel Zeit, wenn wir sie rechtzeitig finden.

Die wichtigsten Maßnahmen sind regelmäßige Kontrollen, effektive Mundhygiene zu Hause und professionelle Zahnreinigung in der Praxis, sowie die Minimierung der Zuckerzufuhrhäufigkeit.

Haben Sie weiße Flecken bemerkt oder reagieren Ihre Zähne empfindlich? Dann vereinbaren Sie bitte einen Termin. Wir untersuchen Ihre Zähne und beraten Sie verständlich und ausführlich.

Fachliche Verantwortung

Andreas Hager – Zahnarzt, Praxisinhaber

Zahnarztpraxis Andreas Hager, Burbach

Die medizinischen Inhalte dieses Artikels wurden von Andreas Hager kuratiert, fachlich geprüft und freigegeben. Seine besonderen Schwerpunkte liegen auf Endodontie, CAD-CAM-Versorgungen (CEREC) und präventiver Zahnmedizin (SOLO-Prophylaxe).