Knochenabbau bei einer Parodontitis kann verhindert werden_Praxis Andreas Hager, Burbach

Wenn der Kieferknochen immer weniger wird

Wir haben für Sie das Thema „Parodontitis“ einmal näher betrachtet und eine kleine Blog-Serie dazu erstellt.

Nachdem der erste Artikel sich mit den bakteriellen Entzündungen befasste, geht es nun im zweiten Artikel darum, weshalb sich der Kieferknochen im Laufe eines Lebens abbaut. Und was Sie als Patient dagegen tun können.

1) Ursachen der Parodontitis, Teil 1: Entzündung durch Infektion

2) Ursachen der Parodontitis, Teil 2: Knochenabbau ohne Entzündung

3) Behandlung der Parodontitis, Teil 1: Entzündung beseitigen

4) Behandlung der Parodontitis, Teil 2: Knochenabbau stoppen

5) Erhaltungstherapie: Vermeidung einer erneuten Parodontitis und weiteren Knochenabbaus

Knochen – stetig im Fluss

Man könnte meinen, dass unsere Knochen – so hart wie sie sind – nach Abschluss des Wachstums immer so bleiben wie sie dann sind. Aber weit gefehlt!

Knochen unterliegen, wie fast alle anderen Körpergewebe auch, einem ständigen Umbau. Es wird also permanent Knochen abgebaut, während an anderen Stellen schon wieder Knochen neu gebildet wird.

Innerhalb von 7-10 Jahren wird die gesamte Knochenmasse eines Menschen erneuert. So ist es möglich, dass sich der Knochen an veränderte Belastungen anpassen kann und Verletzungen ausheilen. Die Kieferorthopädie – also das aktive Verschieben von Zähnen innerhalb des Knochens  – würde ohne diese Umbaufähigkeit des Knochens gar nicht funktionieren.

Man nennt diesen stetigen Umbau „bone remodeling“ und es sind hauptsächlich zwei Arten von Körperzellen daran beteiligt: die Osteoblasten bauen Knochen auf und die Osteoklasten bauen Knochen ab.

Während des Körper-Wachstums überwiegt die Aktivität der Osteoblasten bei Weitem – es werden weitaus mehr Knochenzellen auf- als abgebaut. Danach kommt es beim gesunden Menschen zu einer langen Phase des Gleichgewichtes, bei der sich Knochenabbau und –aufbau die Waage halten.

Die Gesamtmasse an Knochen ändert sich während dieser Zeit trotz stetigen Umbaus praktisch nicht. Mit zunehmendem Alter geht die Stoffwechselleistung des Menschen insgesamt zurück und es kommt zum Überwiegen der Osteoklastenaktivität, was einen langsamen Abbau der Gesamtknochenmasse bewirkt.

Die Steuerung der Osteoblasten- und Osteoklasten-Aktivität erfolgt über verschiedene Botenstoffe und ist sehr komplex.

Baustelle Knochen

Damit der Knochenumbau ausgeglichen funktioniert, also immer genug neuer Knochen gebildet werden kann, braucht es –  wie auf einer Baustelle – verschiedene Voraussetzungen.

  • Es müssen die benötigten Baustoffe für den Körper verfügbar sein. Eine ausgewogene Ernährung sorgt für die benötigte Bereitstellung.
  • Die Nährstoffe müssen an den Ort der Baustelle gelangen, also aus dem Darm in den Blutkreislauf aufgenommen und dann zum Knochen hin transportiert werden. Hierbei spielen unter anderem die Zusammensetzung der Darmbakterien und die Transportfähigkeit im Blut eine große Rolle.
  • Die Bauarbeiter müssen die Baustoffe gezielt verarbeiten. Die Osteoklasten dürfen dabei nur bis zu einem bestimmten Grad aktiv sein, damit die Arbeit der viel kleineren Osteoblasten in der Summe auch wirklich zu einem Knochenaufbau führt.
  • Es muss genug Energie und Sauerstoff für die Stoffwechselvorgänge und Zellaktivitäten vorhanden sein. Ausreichend körperliche Betätigung und die erforderliche Menge an roten Blutkörperchen sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Gründe für Knochenabbau, Zahnlockerung und Zahnverlust

Entgegen der landläufigen Meinung bauen sind es nicht Bakterien, die den Knochen abbauen. Dieser erfolgt immer durch körpereigene Prozesse und letztlich durch die Aktivität der Osteoklasten.

Bakterielle Entzündungen können diese zum Knochenabbau führenden Prozesse zwar auslösen, siehe vorherigen Artikel, jedoch gibt es auch eine ganze Reihe anderer möglicher Ursachen und begünstigender Faktoren, die nicht entzündlicher Art sind, wie zum Beispiel:

Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Ernährung, Medikamenteneinnahmen, Fehlbelastung der Zähne durch Schiefstände und Zahnlücken, Zähneknirschen, Immunerkrankungen, genetische Veranlagung, Diabetes Mellitus, Geschlecht, Alter

Die Parodontitis ist daher oft ein multifaktorielles Geschehen und der Knochenabbau um die Zähne herum hat folglich viele Gründe.

Die Ausschaltung einer einzelnen Ursache verlangsamt dann den Knochenabbau – wird ihn aber nicht stoppen können. Je mehr Ursachen beseitigt werden (Raucherentwöhnung, häusliche Mundhygiene-Verbesserung, professionelle Zahnreinigungen, Ersatz fehlender Zähne, Immunabwehrsteigerung, Ernährung, Bewegung …), umso schneller und nachhaltiger tritt Erfolg ein.

Doch es gibt gute Nachrichten

Unabhängig von der eigentlichen Ursache eines fortschreitenden Knochenabbaus ist es inzwischen möglich, die Aktivität der Osteoklasten gezielt und ganz lokal um die Zähne herum zu vermindern und somit den Knochenumbau zugunsten des Knochenaufbaus zu verschieben.

Eine Revolution in der Parodontitis-Behandlung!

Lesen Sie in unseren dritten Artikel, wie wir gezielt eine Entzündung des Zahnfleisches stoppen und einer weiteren vorbeugen können.