Erhaltungstherapie bei Parodontitis Zannarztpraxis Hager, Burbach, Siegerland

Wie können wir eine erneute Parodontitis vermeiden?

Das ist der letzte Teil unserer Serie zum Thema Parodontitis. Darin geht es um unsere Möglichkeiten eine konstante Entzündungsfreiheit zu gewährleisten. Also eine erneute Parodontitis zu vermeiden und vor allem den fortschreitenden Knochenabbau zu stoppen.

1) Ursachen der Parodontitis, Teil 1: Entzündung durch Infektion

2) Ursachen der Parodontitis, Teil 2: Knochenabbau ohne Entzündung

3) Behandlung der Parodontitis, Teil 1: Entzündung beseitigen

4) Behandlung der Parodontitis, Teil 2: Knochenabbau stoppen

5) Erhaltungstherapie: Vermeidung einer erneuten Parodontitis und weiteren Knochenabbaus

Unterstützende Parodontaltherapie (UPT) oder auch Parodontale Erhaltungstherapie (PET)

Das Wort „Prophylaxe“ bedeutet „vorbeugen“ und „schützen“. Es bezeichnet also Maßnahmen zur Vermeidung einer Erkrankung und des Erreichens von Entzündungsfreiheit. Der Parodontitis-Patient ist aber bereits erkrankt und bedarf somit keiner alleinigen „Vorbeugung“ mehr.

Vielmehr muss er sich darüber bewusst sein, dass auch nach Abschluss der systematischen Parodontitis-Therapie seine Anfälligkeit beziehungsweise seine Neigung zu erneut fortschreitendem Knochenabbau und Entzündungen bestehen bleiben. Dieser Patient benötigt daher über die Prophylaxe hinaus eine regelmäßige Erhaltungstherapie.

Dabei bestimmt das individuelle Parodontitis-Risiko des Patienten darüber, welcher Behandlungsumfang  erforderlich ist und in welchem Abstand die Behandlungen durchgeführt werden müssen, damit auch zukünftig Knochenabbau und Zahnfleischrückgang sowie Zahnlockerungen vermieden werden können.

Wir unterscheiden zunächst, ob der Patient eine (mehr oder weniger) rein bakteriell entzündungsbedingte Parodontitis mit relativ geringem Risiko hat. Oder ob weitere Faktoren vorliegen, die ein höheres Risiko für stärkeren und schneller fortschreitenden Knochenabbau und Zahnfleischrückgang zur Folge haben (siehe vorherigen Artikel).

Vermeidung erneuter bakteriell bedingter Entzündungen

In jedem Fall wird es erforderlich sein, die SOLO-Prophylaxe fortzusetzen. Sie wenden also weiter wie inzwischen gewohnt Ihre häuslichen Reinigungstechniken an. Und wir ergänzen diese durch regelmäßige intensive Zahnreinigungen in der Praxis.

Dabei bestimmen wir auch weiterhin die Blutungsreaktion des Zahnfleisches und legen den Abstand bis zur nächsten Reinigung in Abhängigkeit von der Anzahl der Blutungsstellen individuell fest. So kann es sein, dass bis zur nächsten Zahnreinigung nur drei Monate, oder aber auch bis zu 12 Monate Abstand sinnvoll sein können.

Eine 100%ige Entfernung der bakteriellen Plaque wird man dabei nie erreichen können. An schwierigen Stellen wie Einziehungen, Wurzelteilungsstellen, Vertiefungen, Nischen, Ecken und Kanten an Zahnersatz und Füllungen sowie tiefen Taschen haben wir in der Praxis jedoch weitaus effektivere Möglichkeiten zur Reinigung als Sie zu Hause.

Es geht also in erster Linie um das Management des Biofilms. Und was Ihnen als Patient unbedingt bewusst sein muss: Diese Therapiemaßnahmen müssen lebenslang beibehalten werden, um die bakteriell bedingten Entzündungen am Zahnfleisch und den daraus folgenden Knochenabbau und Zahnfleischrückgang sicher zu vermeiden.

Regulierung der Knochenumbauprozesse – Knochenabbau vermeiden

Gehören Sie zu den Patienten mit niedrigem Parodontitis-Risiko, sind die oben genannten Maßnahmen völlig ausreichend.

Jedoch gibt es eine ganze Reihe von Patienten mit höherem Parodontitis-Risiko, wie z.B.:

  • Raucher,
  • Osteoporosepatienten,
  • Diabetes mellitus Patienten,
  • Patienten mit altersuntypischem parodontalem Knochenabbau,
  • Patienten mit horizontalem Knochenabbau von mehr als 1/3 der Zahnwurzel,
  • Patienten mit Zahnfleischtaschen über 5 mm Tiefe,
  • Patienten mit bereits erfolgtem Zahnverlust durch Parodontitis.

Um hier einen weiteren Knochenabbau zu verhindern, ist zusätzlich die regelmäßige Applikation von Doxy-Gel in die Zahnfleischtaschen erforderlich.

Nach der professionellen Zahnreinigung spülen wir die Zahnfleischtaschen sauber aus und bringen dann das Doxy-Gel ein. Ein darüber angebrachter Verband hält das Doxy-Gel in der Zahnfleischtasche und verhindert das Herauswaschen durch den Speichel und die Sulkusflüssigkeit. So kann das Medikament die benötigten vier Stunden lang einwirken und sich mit dem Gewebe verbinden.

Während dieser vier Stunden dürfen Sie nichts essen, nichts Heißes trinken und den ganzen Tag lang keine Kalzium-haltigen Nahrungsmittel (wie Milch, Quark, Joghurt) mehr zu sich nehmen.

Da die Wirkung des Doxy-Gels nach drei Monaten komplett abgeklungen ist, muss die Applikation bei Hochrisiko-Patienten nach drei Monaten wiederholt werden. Dadurch wird ein ständiger Einfluss auf die Knochenumbauprozesse zugunsten des Knochenaufbaus gewährleistet.

Bei Patienten mit mittlerem Risiko reicht eine Applikation alle sechs Monate aus.

Selbst altersbedingter Knochenabbau kann auf diese Weise verhindert werden.

Fassen wir zusammen:

Rein bakteriell bedingte Entzündungen beseitigen wir durch das Biofilm-Management im Rahmen der SOLO-Prophylaxe.

Durch andere Ursachen bedingten Knochenabbau, Zahnfleischrückgang und Zahnlockerungen stoppen wir durch die regelmäßige Applikation von Doxy-Gel in die Zahnfleischtaschen – direkt nach der professionellen Zahnreinigung.

Wichtig: Diese unterstützende Parodontaltherapie muss lebenslang beibehalten werden!

Ohne diese unterstützende Parodontaltherapie macht auch die vorher erfolgte systematische Parodontaltherapie keinen Sinn, da deren Erfolg nur von sehr kurzer Dauer wäre.