• Knochenabbau durch Parodontitis früher erkennbar

Wie viel Prophylaxe brauche ich eigentlich?

Früherkennung von erhöhten Erkrankungsrisiken im Mund ist nun sehr einfach möglich!

Nahezu 75 Prozent der Deutschen Bevölkerung leiden unter einer mehr oder weniger starken Parodontitis. Da diese entzündliche Zahnerkrankung jedoch sehr lange vollkommen schmerzfrei und unauffällig verläuft, gehen viele Patienten erst zum Zahnarzt, wenn es bereits fast zu spät ist. Der neueste Barmer Zahnreport (2017) kam zu dem Schluss, dass die Behandlung der Parodontitis bei vielen Patienten zu spät erfolgt, was bedeutet, dass selbst eine adäquate Therapie den Zahnverlust nicht mehr abwenden kann.

Dabei ist Knochenabbau im Mund messbar – und zwar bereits bevor man diesen sehen kann. Genau wie für andere Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes oder Rheuma, gibt es Messgrößen, die aussagen, ab wann ein Risiko besteht. Und erst wenn wir ein erhöhtes Risiko erkannt haben, können wir gezielt dagegen vorgehen und so bleibende Schäden vermeiden.

Geläufige Maßnahmen, das Risiko für Parodontitis einzuschätzen

Bisher gab es zwei Möglichkeiten, das Risiko für Knochenabbau an den Zähnen individuell für den jeweiligen Patienten einzuschätzen:

  • Der Blutungsindex
    Hierbei wird die Anzahl der blutenden Zahnfleischstellen nach Sondierung oder Reinigung mit einer Interdentalbürste als Prozentwert festgehalten.

Das Problem hierbei ist jedoch, dass bei Rauchern diese Methode, genannt Bleading on Brushing (BoB), nicht funktioniert, weil das Zahnfleisch trotz vorliegender Entzündung kaum blutet.

  • Die Feststellung des bereits erfolgten Knochenabbaus

Kann man den Knochenabbau röntgenologisch oder sogar mit bloßem Auge bereits sehen, ist er auch schon erfolgt. Ein Wiederaufbau ist nicht möglich. Man kann nur aus der Vergangenheit für die Zukunft Rückschlüsse ziehen und das Risiko des Patienten abschätzen.

In unserem Blogbeitrag „Knochenabbau stoppen“ habe ich bereits erklärt, wie wir mit der lokalen Doxy-Gel-Therapie gezielt den Knochenabbau hemmen, und so ein ausgeglichenes „Bone Remodeling“ erreichen können.

Dabei habe ich auch das körpereigene Enzym „aMMP-8“ erwähnt. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Kollagenase. Dieses Enzym „zerschneidet“ das Kollagen im Gewebe. Kollagen bildet das Grundgerüst, aus dem unser Kieferknochen, aber auch das Bindegewebe besteht. Und dieses Enzym ist in Körperflüssigkeiten, wie zum Beispiel Speichel, nachweisbar.

Neuartiger Parodontitis-Test bringt frühere Ergebnisse

Seit Kurzem gibt es eine einfache Möglichkeit, die Konzentration der aMMP-8 in der Mundflüssigkeit mit dem Periosafe-Test als konkreten Wert zu messen. Dazu wird etwas Flüssigkeit entnommen und in einem digitalen Messgerät – dem Oralyzer –  ausgewertet. Der Test tut nicht weh und ist in etwa fünf Minuten durchgeführt.

Doch was genau sagt der Wert nun aus?

Ein guter Messwert liegt unter 20ng/ml. Dann können wir davon ausgehen, dass bei Ihnen kein nennenswerter Knochenabbau an den Zähnen vorliegt, also ein gutes Gleichgewicht zwischen dem natürlichen Knochenauf- und Abbau besteht.

In diesem Fall orientieren sich die erforderlichen Prophylaxemaßnahmen maßgeblich am Blutungszustand Ihres Zahnfleisches. Sind keine Blutungen vorhanden – dann reicht einmal pro Jahr eine professionelle Zahnreinigung aus, um Sie im Mund gesund zu halten.

Liegen die Messwerte höher, können wir je nach Höhe des Wertes genau für Sie passend vorgehen, um dem versteckten Knochenabbau entgegen zu wirken. Die Erhöhung des aMMP-8-Wertes geht einer aktiven Zerstörung von parodontalem Gewebe stets voraus und ermöglicht somit eine Vorhersage des zukünftigen Knochenabbaus.

Konkret heißt das: je höher der Messwert, umso stärker und schneller wird der durch eine Parodontitis hervorgerufene Knochenabbau bei Ihnen verlaufen.

Und umso intensivere Behandlungsmaßnahmen sind erforderlich, um das zu vermeiden – bevor irreparable Schäden überhaupt erst entstehen und im Mund sichtbar werden.

Welche Behandlungs-Maßnahmen kommen bei einer Parodontitis in Frage?

Bei einem leicht erhöhten Wert ist es ausreichend, die Abstände der Prophylaxe zu verringern. Schwedische Langzeit-Studien (Lindhe) haben gezeigt, dass dadurch dem Knochenabbau wirksam vorgebeugt werden kann. Ein Patient, der bisher 2-mal pro Jahr kam, sollte dann 3- oder 4-mal pro Jahr eine Prophylaxe bekommen.

Bei deutlicher erhöhten Werten prüfen wir außerdem, ob auch erhöhte Taschentiefen vorhanden sind. In diesem Fall erfolgt dann zusätzlich eine systematische Parodontitis-Behandlung.

Bei sehr hohen Werten können wir mit der lokalen Doxy-Gel-Applikation gezielt gegen die aMMP-8 vorgehen, diese hemmen und so den Knochenabbau stoppen.

Nach einiger Zeit wiederholen wir die aMMP-8-Messung um zu sehen, was die ergriffenen Maßnahmen bewirkt haben. Der Wert sollte dann niedriger sein als bei der Ausgangssituation.

Bedeutung der Periosafe – Oralyzer – Messung für die allgemeine Gesundheit des Patienten

Chronisch-entzündliche Parodontalerkrankungen, im Allgemeinen oft Parodontose genannt, stellen ein ernst zu nehmendes Problem für die allgemeine Gesundheit dar. Studien liefern zunehmend Hinweise auf Zusammenhänge mit Tumoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt), rheumatoider Arthritis, Osteoporose, chronischen Atemwegserkrankungen, Schwangerschaftsrisiken und Alzheimer-Erkrankung.

Bei Diabetes ist inzwischen gesichert, dass eine direkte Wechselwirkung mit Parodontalerkrankungen besteht und sich beide Erkrankungen gegenseitig verstärken.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass eine Früherkennung und Diagnose von Parodontalerkrankungen bei geeigneter Behandlung zu einer Senkung des Risikos für systemische Erkrankungen führen kann.

Die Forschung im Bereich der Anti-Aging-Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Als einer der wichtigsten Faktoren des biologischen Alterns wurden inzwischen chronisch niederschwellige Entzündungsprozesse identifiziert.

Diese Entzündungen – „Inflammaging“ genannt – können altersabhängige Erkrankungen auslösen und/oder verstärken. Der aMMP-8-Test ermöglicht nun eine präzise Aussage über das Vorhandensein von nicht sichtbaren, niederschwelligen Entzündungen im Mund und ermöglicht so das entsprechende Gegensteuern – bevor Schäden entstanden sind.

Sind sehr hohe aMMP-8-Werte vorhanden, die nicht mit dem sichtbaren Zustand der Mundgesundheit zu erklären sind, sollte immer eine hausärztliche Abklärung des Allgemeinzustandes erfolgen.

In der Vergangenheit konnten durch eine Routinemessung in Einzelfällen auch bis dahin unentdeckte Erkrankungen (Diabetes, akute Arteriosklerose mit drohendem Gefäßverschluss) einer entsprechenden Behandlung zugeführt und somit größere Gesundheitsschäden vermieden werden.

Was kostet der aMMP-8-Parodontitis-Test?

Da wir vom Nutzen dieses Tests überzeugt sind, bieten wir den Test praktisch zum Selbstkostenpreis von rund 40,- Euro an.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass bei einer Früherkennung einer Parodontitis sowohl die notwendigen Folgemaßnahmen als auch etwaige Folgekosten deutlich geringer sind, als eine aufwändige und vor allem lebenslange Therapie.

Gesetzliche Krankenversicherungen übernehmen die Kosten des aMMP-8-Tests nicht. Auch bei privaten Versicherungen sollten Sie davon ausgehen, dass die Kosten nicht erstattet werden.