Die richtige Zahnputzmethode, erklärt in der Praxis Andreas Hager, Burbach, Siegerland

Das kleine 1×1 des Zähneputzens

Teil 1 – Zahnbürste und Interdentalbürste

Immer wieder werden wir in der Praxis gefragt, was wir als Zahnputzmethode empfehlen. Ob wir für die elektrische Zahnbürste sind und Mundwasser zum Spülen empfehlen, welche Zahnbürstengröße die Richtige ist und wie oft am Tag man Zähne putzen sollte.

Deshalb wollen wir mit dieser kleinen Artikelserie einmal etwas Licht in den Dschungel der Zahnpflegemittel und -methoden bringen. Und ja – wir haben eine Empfehlung.

Handzahnbürste

Die Handzahnbürste ist die Ihnen wohl vertrauteste Zahnbürste. In der Regel kennen Sie sich seit Ihrer Kindheit.

Wichtig ist hier ein kleiner Bürstenkopf, denn nur so können Sie die Zahnrundungen umfahren und dort reinigen. Besonders am Zahnfleischrand, am Zahnhals. Denn dort sitzen, nach den Zahnzwischenräumen, die meisten Bakterien.

Ein zu großer Bürstenkopf ist unflexibel und grob und kann mehr Schaden anrichten, als dass er säubert. Besonders am empfindlichen Zahnfleischrand.

Denn viele Menschen schrubben sich das Zahnfleisch regelrecht weg. Oder sogar das Zahnbein im Bereich von freiliegenden Wurzeloberflächen. Und das bringt langfristig erhebliche Probleme mit sich, wie keilförmige Zahnhalsdefekte, Heiß-Kalt-Empfindlichkeiten oder Zahnnerv-Entzündungen.

Um Verletzungen generell zu vermeiden, sollten Sie eine mittelharte oder weiche Borstenstärke und Kunststoffborsten mit abgerundeten Spitzen verwenden und eben nur geringen Druck ausüben.

Bei der Handzahnbürste ist die Putztechnik ausschlaggebend. Früher hieß es, man solle kreisförmig an den Zähnen entlangfahren und die Bürste mit sanftem Druck führen.

Das ist mittlerweile überholt. Heute empfehlen viele Zahnärzte die BASS-Methode: von Rot nach Weiß putzen, vom Zahnfleisch auf dem Zahn entlang bis zur Kaufläche oder Schneidekante.

Das hat den Vorteil, dass – anders als bei kreisenden Bewegungen – keine Speisereste unter das Zahnfleisch gelangen und dort zu Entzündungen führen.

Setzen Sie die dabei die Borsten der Zahnbürste so auf der Zahnoberfläche auf, dass die Borsten auf dem Zahn, aber nicht auf dem Zahnfleisch aufliegen. Der Winkel zwischen Borstenachse und Zahn sollte dabei 45 bis 60 Grad betragen.

Nun üben Sie leichten Druck aus, damit sich die Borsten leicht biegen und rütteln mit den Borsten ganz leicht hin und her. So wischen Sie den Zahnbelag und Speisereste weg. Die Kauflächen dagegen reinigen Sie mit dem klassischen Hin- und Her-Bewegen der Zahnbürste.

Offiziell wird empfohlen, die Zähne nach jeder Hauptmalzeit zu reinigen und dabei mindestens drei Minuten lang zu putzen. Vergessen Sie auch nicht die Innenseiten der Zähne.

Die Handzahnbürste sollte gewechselt werden wenn die Borsten arg verbogen sind und somit ein korrektes Aufsetzen auf dem Zahn nicht mehr möglich ist und es versteht sich von selbst, dass Sie diese nicht mit anderen Familienmitgliedern teilen.

Lachen Sie jetzt nicht, wir haben es schon erlebt, dass eine ganze Familie sich eine Bürste teilt. 😊

95% der krank machenden Bakterien sitzen in den Zahnzwischenräumen und verursachen von hier aus Karies und Parodontitis. Es gibt jedoch auf der ganzen Welt keine Handzahnbürste (!), mit der Sie diese Bakterien aus den Zahnzwischenräumen entfernen könnten!

Anders gesagt: mit einer Handzahnbürste kümmern Sie sich um lediglich ca. 5% Ihrer krank machenden Bakterien an den Zähnen. So ist es vielleicht für Sie nachvollziehbar, dass wir diese Art des Zähneputzens NICHT empfehlen können.

Elektrische Zahnbürste

Es gibt enorm viele Anbieter von elektrischen Zahnbürsten, und ob Sie nun eine aus der Apotheke, aus der Drogeriekette oder eine aus dem Internet kaufen, hängt auch von Ihrem finanziellen Budget ab.

Wichtig ist, dass Sie sich unbedingt mit der Technik ihrer elektrischen Zahnbürste vertraut machen. Denn diese funktioniert nun mal ganz anders als eine Handzahnbürste.

Und mit einem runden Bürstenkopf putzt man anders als mit einem länglichen.

Mit dem runden oszillierend-rotierenden Bürstenkopf putzen Sie jeden Zahn einzeln einige Sekunden lang. Setzen Sie den Bürstenkopf auf einen Zahn bis zum Zahnfleischrand auf und führen Sie die Bürste am Zahnfleisch entlang, ohne das Zahnfleisch selbst mit zu putzen. Schwenken Sie den Bürstenkopf auch in die Zahnzwischenräume.

Der längliche Bürstenkopf erfasst mehrere Zähne auf einmal. Setzen Sie ihn – wie eine Hand­zahnbürste – in einem 45-Grad-Winkel zum Zahnfleisch auf den Zahn auf, jedoch nicht auf dem Zahnfleisch. Verbleiben Sie mit den schwingenden Borsten kurz dort, um die Beläge zu lockern. „Fegen“ Sie sie dann mit der BASS-Technik von Rot nach Weiß heraus in Richtung Kauflächen bzw. Schneidekanten.

Lassen Sie die elektrische Zahnbürste die Arbeit machen. Ihre Aufgabe besteht nur darin, den Bürstenkopf von Zahn zu Zahn zu führen und dabei lediglich leichten Druck auszuüben.

Die meisten elektrischen Zahnbürsten haben ein Warnsignal eingebaut, das vor zu starkem Druck schützen soll.

Doch was hilft dieser Warnton, wenn Sie ihn ignorieren, weil Sie denken, viel hilft viel?

Eine elektrische Zahnbürste hat bis zu 70 Schwingungen – pro Sekunde! Diese mit zu viel Druck auf dem Zahnschmelz führen unweigerlich zu irreparablen Schäden, wie bereits oben bei der Handzahnbürste aufgezeigt.

Auch bei den elektrischen Zahnbürsten gilt: 95% der krank machenden Bakterien sitzen in den Zahnzwischenräumen und verursachen von hier aus Karies und Parodontitis.

Es gibt jedoch auf der ganzen Welt keine elektrische Zahnbürste (!), mit der Sie diese Bakterien aus den Zahnzwischenräumen entfernen könnten!

Anders gesagt: mit einer elektrischen Zahnbürste kümmern Sie sich um lediglich ca. 5% Ihrer krank machenden Bakterien an den Zähnen. Außerdem besteht hier durch die hohe Schwingungszahl bei zu großem Druck zusätzlich ein hohes Risiko für Gewebeverlust an Zahnfleisch und Wurzeloberflächen.

So ist es vielleicht für Sie nachvollziehbar, dass wir diese Art des Zähneputzens NICHT empfehlen können.

Zahnzwischenraumbürstchen

Wie Sie vielleicht schon wissen, sind wir überzeugte Verfechter der SOLO-Prophylaxe. Wir empfehlen dieses Zahnpflegekonzept seit Jahren allen Patienten und haben unsere professionelle Zahnreinigung in der Praxis darauf abgestimmt. Die Erfolge, von denen unsere Patienten berichten und die wir auch tagtäglich sehen, sprechen eine klare Sprache.

Warum?

Nun ganz einfach: Der stärkste Belag und die meisten krank machenden Bakterien (95%) sitzen nicht auf der sichtbaren Zahnoberfläche, also dort, wo die beiden vorher genannten Zahnputzmethoden reinigen können.

Sie befinden sich stattdessen in den Zahnzwischenräumen. Das ist medizinisch erwiesen und durch viele Studien belegt.

Was nutzt es also der Zahngesundheit, wenn genau diese Stellen mit den üblichen Putzmethoden ausgespart bleiben. Genau – NICHTS!

Einzig eine Zahnzwischenraumbürste ist effektiv in der Lage, die bakteriellen Beläge im Zahnzwischenraum zu erreichen und zu entfernen. Aber Achtung: das funktioniert nur, wenn die Bürstchengröße auf den jeweiligen Zahnzwischenraum korrekt angepasst ist.

Ist das Bürstchen zu dünn, fährt es locker durch den Zwischenraum hindurch, ohne die häufig vorhandenen Einbuchtungen der Zahnoberflächen zu erreichen. Es löst dann nur einen Teil der Beläge. Ist das Interdentalbürstchen zu dick, beschädigt es das Zahnfleisch und die relativ weiche Zahnwurzel-Oberfläche. Wir empfehlen deshalb die SOLO-Stix. Aus elf unterschiedlichen Größen finden wir den oder die passenden Stix für Sie heraus und können so ganz sicher sein, dass Ihr Interdentalbürstchen gründlich und zugleich absolut schonend reinigt. 

Zahnseide

Mit der Zahnseide verhält es sich ähnlich, wie mit zu schmalen Zahnzwischenraumbürstchen.

Sie rutscht ohne Kontakt über die hohlen Wölbungen der Zähne und entfernt nur einen kleinen Teil der Speisereste und Beläge.

Oftmals haben Patienten auch Schwierigkeiten, die Zahnseide korrekt zu führen, da die richtige Anwendung durchaus anspruchsvoll ist. Somit verpufft der Reinigungseffekt oft trotz intensiver Bemühungen.

Dennoch kommt es vor, dass aufgrund von schwierigen Zahnstellungen mit besonders engen Zahnzwischenräumen die Anwendung von Interdentalbürstchen nicht möglich ist. In diesen Fällen ist Zahnseide die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Zahnzwischenraumreinigung hinzubekommen. Vorgefertigte Zahnseidehalter erleichtern dann auch die korrekte Anwendung.

Einbüschelbürste „Swing“

Eine weitere kritische Stelle ist der „Zahnhals“, also der Übergang vom sichtbaren Zahn zur Zahnwurzel, welcher direkt am Zahnfleischrand liegt. Bleiben hier ständig Beläge übrig, dann kommt es zu Wurzelkaries und Parodontitis.

Unsere Empfehlung zur optimalen Reinigung dieser Stellen ist die Einbüschelbürste „Swing“. Sie kommt aufgrund ihres extrem kleinen Bürstenkopfes schonend und effizient an den Zahnhalsrand und entfernt dort alle Beläge und Speisereste.

So schonend, dass sie keine irreparablen Putzschäden verursacht. Im Gegenteil: Patienten, die vorher über empfindliche Zahnhälse klagten, werden nach einiger Zeit der Umstellung auf die Swing-Methode beschwerdefrei und können wieder problemlos kalte Getränke und Speisen genießen. 

Reinigung der Kauflächen

Auf den Kauflächen der Backenzähne gibt es meist tiefe Furchen, die sogenannten „Fissuren“. Diese Furchen sind oftmals so schmal, dass keine Zahnbüste dort hineinkommen kann. Beläge bleiben dann ständig an diesen Stellen liegen und es entsteht eine Karies.

Um das Problem schon vorher zu beseitigen empfehlen wir, die Fissuren „versiegeln“ zu lassen. Bei der Fissurenversiegelung werden die kleinen Furchen mit einem Kunststoff aufgefüllt und dabei abgerundet. Es entsteht eine leicht zu reinigende Oberfläche, an der sich Bakterien dann nicht mehr anheften können. Die Karies-Gefahr ist so gebannt.

Aaaaaaallllsooooooo ……..

Zusammenfassend können wir nur erneut feststellen, dass es auf folgende Dinge ankommt:

  1. Eine effiziente Reinigung der Zahnzwischenräume ist unerlässlich, da dort die meisten entzündungsauslösenden Bakterien sitzen
  2. Die Zahnbürste muss so klein sein, dass sie problemlos den Zahnhals erreichen und dort gründlich reinigen kann, ohne Schäden an den Geweben zu verursachen
  3. Die Fissuren der Kauflächen können durch eine Versiegelung vor Karies geschützt werden.

Aus unserer Sicht werden diese Anforderungen am besten von der SOLO-Prophylaxe erfüllt.

Mit diesem Konzept haben Sie es in der Hand, auch bei der häuslichen Zahnpflege exakt den Anforderungen einer medizinisch sinnvollen Zahnreinigung zu entsprechen.

In Teil 2 lesen Sie, was Zahncremes, Mundspüllösungen und Co. bewirken.

Und was von denen ihnen zugeschriebenen Wirkungen lediglich leere Versprechungen der Industrie sind.